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Chronische Niereninsuffizienz (CNI) bei Katzen

Unter einer chronischen Niereninsuffizienz (CNI) versteht man eine fortschreitende Erkrankung, bei der allmählich die Nierenfunktion abnimmt. Die ungefähr 200.000 winzigen funktionellen Baueinheiten (Nephrone) der Niere filtern Abbauprodukte aus und regulieren den Elektrolythaushalt. Wenn diese Nephrone absterben, können Abbauprodukte und Elektrolyte nicht mehr länger effektiv verarbeitet werden. Die giftigen Abbauprodukte sammeln sich dann im Körper der Katze an und machen sie krank. Bei einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion kann es auch zu Störungen des Elektrolythaushalts, Blutarmut und Blutdruckproblemen kommen.

Die Nieren erfüllen in erster Linie fünf Funktionen:

  • Filterung von Abbauprodukten des Körpers (in erster Linie Harnstoff und Kreatinin, die Nebenprodukte des Eiweißabbaus sind)
  • Regulierung der Elektrolyte (Kalium, Calcium, Phosphor und Natrium)
  • Produktion von Erythropoietin, das die Stammzellen im Knochenmark stimuliert, rote Blutkörperchen zu produzieren
  • Produktion von Renin, einem Enzym, das den Blutdruck steuert
  • Regulation und Kontrolle der Zusammensetzung des Harns
  • Für die normalen Funktionen werden nur circa 30 % der Nierenfunktion benötigt. Symptome der Niereninsuffizienz sehen Sie erst dann, wenn circa 70 % der Funktionen verloren sind. Es ist wichtig, dass mit der Behandlung begonnen wird, sobald die ersten Symptome sichtbar sind. Tests können hilfreich sein, um ein Problem zu erkennen, bevor sich Symptome zeigen. Ist Ihre Katze älter als sieben Jahre, sollte der Tierarzt beim jährlichen Check die Werte (Blutbild, Urinanalyse, Blutdruck) auch auf CNI überprüfen.

    Symptome

    Die Symptome können sehr unspezifisch sein und denen anderer Krankheiten ähneln. CNI kann nur mithilfe klinischer Tests genau diagnostiziert werden. Wenn Sie bei Ihrer Katze stärkeren Durst (Polydipsie) und vermehrten Urinabsatz (Polyurie) beobachten, sollten Sie auf jeden Fall zum Tierarzt gehen und die Symptome abchecken lassen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung können noch die folgenden Symptome auftreten: Fressunlust, Übelkeit und Erbrechen, Gewichtsverlust, Dehydrierung, Verstopfung, stumpfes Fell, Blutarmut, Geschwüre der Maulschleimhaut sowie Mundgeruch, Muskelschwund/Auszehrung und Teilnahmslosigkeit.

    Diagnose

    Der Tierarzt wird für eine zuverlässige Diagnose einige klinische Tests durchführen müssen. Der Urin wird untersucht, um festzustellen, ob die Fähigkeit zur Harnkonzentration vermindert ist. Ist dies der Fall, ist die Ausscheidung von harnpflichtigen und giftigen Substanzen gestört. Mithilfe von Blutuntersuchungen werden neben anderen Blutwerten auch die Werte für Kreatinin und Blutharnstickstoff („blood urea nitrogen“, BUN), der in den Nieren aus dem Blut gefiltert und dann mit dem Urin ausgeschieden wird, ermittelt. Ein erhöhter Kreatininwert ist das sicherste Zeichen für einen Verlust von Nierenfunktionen. Eventuell wird auch der Blutdruck gemessen, da bei einer Nierenerkrankung Bluthochdruck vorkommen kann.

    Chronische und akute Niereninsuffizienz

    Eine Niereninsuffizienz kann entweder chronisch oder akut sein. Unter einer chronischen Niereninsuffizienz bei Katzen versteht man eine fortschreitende und nicht reversible Erkrankung, bei der allmählich die Nierenfunktion abnimmt. Da Katzen normalerweise verbergen, wenn sie krank sind und da die frühen Anzeichen auf CNI so gut wie nicht erkennbar sind, wird die Erkrankung häufig erst dann erkannt, wenn die Patientin schon 70 % der Nierenfunktionen verloren hat und deutliche Symptome zu beobachten sind. Dieses plötzliche Auftreten von Symptomen erscheint vordergründig als akutes Krankheitsbild, stellt aber in den meisten Fällen den Kulminationspunkt einer chronischen Niereninsuffizienz da.
    Einer CNI können eine oder mehrere Ursachen zugrunde liegen. Wichtige Faktoren dabei sind das Alter, genetische Ursachen (beispielsweise eine ererbte polyzystische Nierenerkrankung), die Umgebung und Gifte, Erkrankungen (Tumoren oder Entzündungen) und Zahnerkrankungen, bei denen aufgrund mangelnder Zahnhygiene Bakterien über das Blut in die Nieren gelangen. Dabei ist der Zustand der Zähne ein Aspekt, der tatsächlich beeinflusst werden kann. Sorgen Sie dafür, dass die Zähne Ihrer Katze gesund sind und lassen Sie sie regelmäßig in der Tierklinik reinigen.
    In Gegensatz zur CNI handelt es sich bei einer akuten Niereninsuffiziens (ANI) um eine plötzlich auftretende, schwere Form des Nierenversagens, die häufig von einem verringerten Harnabsatz begleitet wird. Zu den häufigsten Ursachen von ANI gehören: Nierensteine und Obstruktionen, die den Urinabfluss blockieren, Infektionskrankheiten, Traumata und Toxine. Vergiftungen gehen am häufigsten auf Lilien oder in Frostschutzmittel enthaltenes Ethylenglykol zurück. ANI ist eine schwerwiegende Erkrankung und kann sehr schnell tödlich enden. Die sofortige Behandlung durch einen Tierarzt ist unbedingt erforderlich. Normalerweise ist die Prognose schlecht, aber, wenn der Schaden nicht zu schwerwiegend war und die Katze medizinisch umfangreich behandelt wird, besteht sogar die Möglichkeit, dass die gesamte Nierenfunktion wiederhergestellt werden kann.

    Behandlung

    Eine chronische Niereninsuffizienz kann nicht geheilt werden, aber es ist häufig möglich, den Zustand zu stabilisieren und das Voranschreiten der CNI zu verlangsamen. Dabei ist es am wichtigsten, die Menge der Stoffwechselabbauprodukte zu kontrollieren, die Nieren verarbeiten müssen. Da die Fähigkeit zur Verarbeitung von Abbauprodukten der verbliebenen Nephrone eingeschränkt ist, geht es darum, ihre Menge der Kapazität der Nephrone anzupassen. Dies wird am besten durch eine Kombination eines geeigneten Futters (spezielle Nierenfutter wie Hill‘s k/d, Royal Canin Renal, Specific FKD & FKW oder Eukanuba Veterinary Diets Renal) mit den erforderlichen Medikamenten und einer Flüssigkeitstherapie (Förderung einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme mithilfe von Trinkbrunnen, Zugabe von Wasser zum Futter oder intravenöse/subkutane Infusionen) erreicht. Elektrolyte können, falls erforderlich, supplementiert werden. Futtermittelzusatzstoffe können zur Unterstützung der Nierenfunktionen allgemein oder zur „Bindung“ von Phosphaten eingesetzt werden (siehe auch dieses Produkt). Phosphate, die normalerweise über die Nieren ausgeschieden werden, werden dann stattdessen über den Magendarmtrakt abgeführt. ACE-Hemmer und Calciumantagonisten können eingesetzt werden, um das Fortschreiten der chronischen Niereninsuffizienz zu verlangsamen. Diese Arzneimittel erweitern die Blutgefäße und sorgen so dafür, dass der Blutdruck gesenkt wird. Gleichzeitig verbessert sich die Durchblutung in einer Weise, die den Nieren keinen Schaden zufügt.

    Prognose

    CNI ist nicht heilbar. Allerdings lassen sich die Lebenserwartung und die Lebensqualität der betroffenen Katze deutlich beeinflussen. Wird die CNI richtig behandelt, kann sie noch Monate oder sogar Jahre ein Leben mit relativ hoher Lebensqualität führen. Wenn die CNI weiter fortschreitet und das Ausmaß der Vergiftung sehr hoch wird, beginnt eine betroffene Katze irgendwann, sich nicht mehr wohl und auch krank zu fühlen. Die endgültige Entscheidung kann jedoch immer nur vom Besitzer gefällt werden.
    Dieser Artikel ist allein zur Information gedacht. Sprechen Sie immer mit dem Tierarzt, bevor Sie ein anderes Futter verwenden oder Ergänzungsmittel geben.