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Das Impfen von erwachsenen Haustieren


Nachdem ich die Kommentare zu meinem letzten Blogeintrag über Basisimpfungen gelesen und beantwortet habe, hielt ich es für hilfreich, meine Sichtweise zur Impfung von erwachsenen oder älteren Hunden und Katzen an dieser Stelle zusammenzufassen.

Seit 2010 gilt es als allgemein akzeptiert, dass sich die Wirkungsdauer der Immunitätsphase bei Kernimpfungen (Staupe, Parvovirus und Adenovirus) zwischen 3 und 4 Jahren bewegt. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass es bei den verschiedenen Impfstoffherstellern Abweichungen gibt – einige behaupten, dass sie eine Wirkungsdauer von 7 bis 9 Jahren, oder gar ein Leben lang, besitzen.

Wie sollten Sie als Haustierbesitzer also vorgehen? Die Antwort ist ganz einfach: Bitten Sie Ihren Tierarzt darum, alle 3 bis 4 Jahre einen Impftiter-Test durchzuführen, der den Antikörpergehalt im Blut Ihres Haustiers misst. Auf diese Weise lässt sich ermitteln, ob eine Auffrischung notwendig ist. Falls Sie sich Sorgen machen, können Sie diese Kontrolle selbstverständlich häufiger durchführen lassen. Es ist zudem gut zu wissen, dass diese Tests als Beweismittel von Immunität bei Zwingern und Katzenpensionen verwendet werden können.

Die Wahrheit ist, dass Sie Ihr Haustier einmal im Jahr zum Tierarzt bringen sollten – ganz unabhängig von der Impfstoff-Diskussion. Sie geben Ihrem Haustier eine Stimme, wenn es um seine Gesundheit geht. Ein Besuch beim Tierarzt ist also fast so als wenn man sein Auto einmal jährlich in der Werkstatt inspizieren lässt. Stellen Sie es sich als eine Art „Haustierinspektion“ vor. Und ganz sicher wird auch Ihr Tierarzt einige Fragen stellen...

Allgemeiner Kraftstoffverbrauch.

Frisst und trinkt Ihr Haustier regelmäßig und normal? Zum Beispiel trinken ein Hund oder eine Katze je nach Körpermaß jeden Tag zwischen 60 und 100 ml an Wasser pro Kilogramm Körpergewicht.

Wie sieht die Karosserie aus?

Haben Sie Abnormalitäten auf dem Fell oder der Haut Ihres Haustiers entdeckt? Wenn sich ein Haustier krank fühlt, geht als erstes der natürliche Glanz seines Fells verloren. Hat es irgendwelche Knoten oder Geschwülste, die überwacht werden sollten?

Abgasprüfung.

Sind die Bewegungen Ihres Haustiers normal? Achten Sie auf Auffälligkeiten beim Urinieren (guter Fluss, keine Schmerzen, normale Farbe) oder beim Ausscheiden von Kot (Ist es schleimartig, blutig, normal gefärbt?). Kam es in letzter Zeit zu Zwischenfällen wie Erbrechen oder Durchfall? Sind die Wurm- und Flohkuren auf dem neuesten Stand? Haben Sie irgendwelche anderen Ausscheidungen bemerkt?

Motorleistung.

Wie hoch ist die Aktivität Ihres Haustiers? Könnte es zum Beispiel sein, dass es sich aufgrund von Arthritis weniger bewegt? Liegen Atemprobleme vor, wenn es sich viel bewegt?

Dies sind natürlich nur einige der Fragen, die Ihnen der Tierarzt stellen kann. Zusätzlich gibt es eine gründliche körperliche Untersuchung (mit einer vollständigen Autoinspektion vergleichbar!). Es gibt auch einen sehr nützlichen „Wellness“-Test für unsere betagteren Autos (ich meine: Haustiere!) inklusive einer Urin- und/oder Blutanalyse, anhand derer Sie eine Übersicht über den Zustand der Nieren, Leber, Blutzuckerspiegel und andere Organfunktionen erhalten.

Ich betone deswegen nochmals: Besuchen Sie Ihren Tierarzt einmal im Jahr – dies ist das beste Geburtstagsgeschenk, das Sie Ihrem Haustier geben können. Punkt. Sie können diesen Besuch auch dafür nutzen, um den Impftiter-Test und/oder die Häufigkeit der Impfungen zu besprechen. Tun Sie‘s einfach. Es ist ganz einfach.

Andrew Bucher
Tierarzt und Mitbegründer von MedicAnimal