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Erste Hilfe für ein Haustier


Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie laufen die Straße entlang und erblicken ein Tier, das flach auf dem Boden liegt. Aus der Entfernung sieht es zudem so aus, als sei es nicht bei Bewusstsein. Wüssten Sie, was zu tun wäre?

Eine Notfallsituation, an der ein Tier beteiligt ist, kann furchterregend sein, vor allem wenn Sie nicht richtig vorbereitet sind. Zum Glück gelten auch hier die Regeln der Ersten Hilfe, wie Sie bei Menschen anzuwenden sind. Schauen wir sie uns genauer an:

1) Ruhe bewahren.

Nicht immer einfach, aber behalten Sie einen kühlen Kopf. In so ziemlich jeder Situation gibt es etwas Nützliches, das man tun kann.

2) Keinerlei Schäden anrichten.

Handeln Sie nicht überstürzt. Denken Sie nach, bevor Sie etwas tun. Ein Tier mit Verletzungen sollte nicht sofort bewegt werden. Entfernen Sie zudem keinerlei Fremdkörper, denn das könnte eine Blutung verursachen.

 

3) An die ABC-Regeln denken.

Airways (Atemwege), Breathing (Beatmung), Circulation (Zirkulation).

Atemwege

Sind die Atemwege frei? Oder sind sie blockiert? Öffnen Sie das Maul des Tieres (wenn gefahrlos möglich) und ziehen Sie die Zunge nach vorne und prüfen Sie, ob die Atemwege blockiert sind.

Beatmung

–atmet das Tier? Wenn Sie sich nicht sicher sind, nehmen Sie einige Haare des Tiers und halten Sie sie vor die Nasenlöcher. Können Sie eine Bewegung der Haare beobachten? Nachdem Sie die Atemwege geprüft haben, schließen Sie das Maul vorsichtig und atmen Sie in die Nase. Können Sie eine Reaktion beobachten?

Zirkulation –

können Sie einen Puls spüren? Die Oberschenkelvene (am inneren Oberschenkel) ist eine geeignete Stelle zur Überprüfung des Pulses. Können Sie keinen Puls fühlen oder besteht der Verdacht auf Atmungsstörungen, führen Sie eine Herzdruckmassage durch, indem Sie etwa alle zwei Sekunden auf den Oberkörper eindrücken (direkt hinter den Vorderbeinen). Führen Sie nur eine Herzdruckmassage durch, wenn Sie in deren Anwendung geschult sind, denn ansonsten könnte es sehr gefährlich sein. Platzieren Sie eine Hand unter den Brustkorb, um ihn zu stützen und den Druck zu spüren, den Sie anwenden. Beatmung und Herzdruckmassage erfolgen dann im steten Wechsel: 15 Mal drücken und 2 Mal in die Nase beatmen. Richtig angestellt, sollte dies einem Workout gleichkommen! (Geben Sie bei kleineren Tieren Acht und wenden Sie weniger Druck an.)

Außerdem gibt es weitere Erste-Hilfe-Regeln, die Sie anwenden können, bevor Sie das Tier zum Tierarzt bringen:

- Das Tier wurde von einem Auto angefahren.

Decken Sie es mit einer Decke zu. Wenn es gefahrlos möglich ist, legen Sie es vorsichtig auf einen harten Untergrund (Brett oder ähnliches). Dabei darf der Kopf nicht bewegt werden. Seien Sie vorsichtig, wenn der Verdacht auf gebrochene Knochen besteht. Wenn möglich, legen Sie das Tier in einen Käfig, um den Bewegungsfreiraum einzuschränken. Auch wenn Sie keine offensichtlichen Verletzungen sehen können, gehen Sie nicht davon aus, dass alles in Ordnung ist. Eventuell hat das Tier innere Verletzungen erlitten und befindet sich in einem kritischeren Zustand, als es bei einer äußeren Verletzung vielleicht der Fall wäre.

- Wenn das Tier blutet.

Jegliche Verschmutzung kann mit einer Kochsalzlösung aus der Wunde gewaschen werden. Legen Sie dann einen sauberen Verband an und drücken Sie mindestens drei Minuten lang kräftig, um die Blutung zu stoppen. Haben Sie keinen Verband zur Hand, improvisieren Sie und nehmen Sie zum Beispiel ein Handtuch oder Kleidungsstück. Ist die Blutung noch immer nicht gestoppt, fügen Sie eine weitere Lage hinzu. Geben Sie Acht auf die Atmung, falls sich die Wunde am Kopf oder Hals befindet. Bringen Sie das Tier unmittelbar zu einem Tierarzt.

- Hat das Tier einen Krampfanfall.

Ein Tier, das einen Krampfanfall erleidet, sollte an einen kühlen, dunklen Ort gebracht werden, da ansonsten Überhitzungsgefahr besteht. Ist dies nicht möglich, verdecken Sie die Augen (um die Umgebung abzudunkeln und es zu beruhigen. Aber achten Sie darauf, dass Sie die Atemwege nicht blockieren). Stützen und polstern Sie den Kopf des Tieres mit einem Kleidungsstück, um zu verhindern, dass sich das Tier während des Anfalls verletzt. Versuchen Sie jeglichen Lärm zu reduzieren. Halten Sie das Tier nicht fest, da dies den Krampfanfall in die Länge ziehen könnte.Achten Sie darauf, wie lange der Anfall andauert (in der Regel 2 bis 3 Minuten) und bringen Sie das Tier sofort zum Tierarzt, wenn es gefahrlos möglich ist. Geben Sie einem Tier niemals Medikamentefür Menschen, insbesondere keine Schmerzmedikamente, da diese schnell zum Tod des Tieres führen können.Bitte beachten Sie, dass dies lediglich ein Artikel ist und KEINESFALLS die medizinische Beratung eines Tierarztes oder ärztliche Hilfe ersetzt. Holen Sie in einer Notfallsituation unmittelbar professionelle Hilfe.Und vergessen Sie nicht, dass ein verletztes Tier Angst und Schmerzen haben kann und daher aggressiv sein und sogar zubeißen kann. Wenn Sie dem Tier zu Hilfe eilen, geben Sie immer auf Ihre eigene Sicherheit Acht.


Andrew Bucher
Tierarzt und Mitbegründer von MedicAnimal