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Hintergründe von Diabetes und Übergewicht bei Haustieren

 

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Animal Friends Versicherung zeigt, dass Diabetes bei 9000 Hunden und Katzen zwischen 2011 und 2016 um 900% angestiegen ist. Es ist also an der Zeit, darüber nachzudenken, warum dies geschieht. Der Anstieg ist weitaus höher als die Entwicklung, die wir bei Menschen sehen können. Passen wir endlich besser auf uns auf, während unsere Haustiere immer noch eine unzureichende Ernährung und zu wenig oder gar keine Bewegung erhalten?

Wie kann es dazu kommen?

  Die Studie zeigt nicht, ob dieser Anstieg aufgrund der Gene oder Lebensweise der Tiere erfolgt. Es ist jedoch deutlich, dass eine Hauptursache im steigenden Übergewicht der Haustiere zu finden ist, und auch in der gestiegenen Lebenserwartung. Insgesamt stellt Übergewicht die größte Prädisposition dar. Eine Studie der PDSA, des größten britischen Tierschutzvereins, aus dem Jahr 2015 zeigt, dass 80% der befragten Tierärzte annahmen, dass es bis 2020 mehr übergewichtige als normalgewichtige Haustiere geben werde. Genau wie Menschen werden Tiere übergewichtig, wenn sie zu große Portionen unpassender Nahrung (in diesem Fall niedriger Eiweiß- und hoher Kohlenhydratgehalt) zu sich nehmen und sich zu wenig bewegen. Vergessen Sie außerdem auch nicht die kleinen Leckereien bei Tisch, die unsere Vierbeiner so lieben! Am besten lassen Sie Ihr Tier gar nicht erst übergewichtig werden. Der andere Grund könnte sein, dass viele der ersten Anzeichen von Diabetes (vermehrter Durst und Urinieren) entweder vom Besitzer nicht bemerkt werden (dies gilt vor allem für Katzen, die sich viel draußen aufhalten), oder dass Gewichtsabnahme einer Diät zugeschrieben und nicht als Anzeichen von Diabetes erkannt wird.

Was ist Diabetes?

Diabetes Typ I (insulinabhängig) ist normalerweise recht selten bei Tieren und betrifft hauptsächlich Jungtiere. Diabetes Typ II (nicht insulinabhängig) ist weitaus häufiger und betrifft 75% der Katzen zwischen acht und dreizehn Jahren und viele Hunde im Durchschnittsalter von acht Jahren (zwischen vier und vierzehn Jahren). Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass Diabetes keine Alterskrankheit ist, sondern vielmehr von der Lebensweise abhängt. Vergessen Sie nicht, dass es an Ihnen und nicht an Ihrem Tier liegt, was Sie füttern und wie oft Sie mit ihm an die frische Luft gehen. Bei Katzen müssen Sie ein bisschen kreativ werden und an ihre natürlichen Jagdinstinkte appellieren, um Spiele zu finden, die ihnen Spaß machen. Bei Hunden tritt Diabetes bei Weibchen häufiger auf, während es bei Katzen genau anders herum ist. Diabetes Typ II tritt im Wesentlichen aus zwei Gründen auf:

1) Unzureichende oder verzögerte Insulinausscheidung, je nach den Bedürfnissen Ihres Tieres oder

2) Abnormale Insulinausscheidung gepaart mit unzulänglicher Reaktion der Zellen auf das Insulin (d.h. die Zellen erlauben keine Bewegung der Glukose von außerhalb der Zellen in die Zellen hinein)

Das Ergebnis ist, dass Zucker im Blutkreislauf verbleibt, anstelle in die Zellen aufgenommen zu werden, die ihn benötigen. Daher beginnt der Körper, Fett- und Muskelvorräte abzubauen, um Energie zu gewinnen. Ihr Tier bleibt also hungrig, da die Zellen keine Glukose erhalten, und es verliert Gewicht. Darüber hinaus baut sich die Glukose im Blut auf und wird im Urin ausgeschieden. Dies führt zu vermehrtem Durst und Urinieren, den beiden häufigsten Anzeichen von Diabetes. Wenn die Krankheit nicht behandelt wird, ermüden die Zellen in der Bauchspeicheldrüse und können nicht länger die nötige Menge Insulin ausscheiden. In diesem Fall ist Insulintherapie notwendig. Wird die Krankheit frühzeitig erkannt, stehen die Chancen gut, dass sie mit richtiger Ernährung und regelmäßiger Bewegung behandelt werden kann.

Welche Anzeichen können Sie bei Ihrem Tier sehen?

  • Vergessen Sie nicht, dass Übergewicht die größte Prädisposition darstellt!
  • Vermehrter Durst und Urinieren (aufgrund von osmotischer Diurese, d.h. Wasser folgt Glukose in den Urin)
  • Frühe Anzeichen:
  • Gesteigerter Appetit (da die Zellen „denken“, es sei keine Glukose vorhanden)
  • Gewichtsabnahme (da der Körper Fett und Muskeln abbaut, um Energie zu gewinnen)
  • Harnwegsinfektionen: Glukose im Urin stellt eine ideale Energiequelle für Bakterien dar. Es ist sogar möglich, dass Ihr Tier Harnwegsinfektionen hat, bevor Diabetes diagnostiziert wird.
Späte Anzeichen:
  • Abmagern
  • Depression und Lethargie (aufgrund der fehlenden Glukose in den Zellen)
  • Erbrechen
  • Grauer Star (weitaus häufiger bei Hunden)
  • Schwäche der Hinterbeine (nur bei Katzen)


Was können Sie tun?

 
Wenn Sie eins oder mehrere der obigen Anzeichen erkennen, sollten Sie zuerst den Tierarzt aufsuchen.
Diabetes unter Kontrolle zu bekommen, kann eine Weile dauern, vor allem, wenn Ihr Tier schon lange übergewichtig ist. Wie erwähnt kann dies einen direkten Einfluss auf die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse haben.
Ihr Tierarzt wird verschiedene Behandlungsmethoden mit Ihnen besprechen, darunter Insulininjektionen, Tabletten zum Schlucken (vor allem für Katzen), Ernährungsumstellung, Bewegung und das Führen eines Diabeteskalenders. In den Kalender tragen Sie ein, wann Sie Insulin spritzen, wieviel Sie füttern und spazieren gehen und wieviel Ihr Tier trinkt / wie durstig es ist. Ihr Tierarzt könnte Sie auch bitten zu kontrollieren, wieviel Wasser Ihr Tier zu sich nimmt und den Urin auf Glukose zu testen. Die anfängliche Behandlung wird auch das Messen der Glukose im Blut nach der Insulininjektion umfassen, damit die optimale Dosis und Zeit für die Injektion berechnet werden kann. Bei Katzen kann Diabetes im nicht-komplizierten Verlauf manchmal nur mit Ernährungsumstellung, Bewegung und der Verabreichung von hypoglykämischen Tabletten behandelt werden. Vor allem bei Katzen ist es sehr wichtig, das Gewicht langsam zu reduzieren, um die Leber so gut wie möglich zu schützen.
Wie bei vielen anderen Dingen ist auch hier Vorbeugung besser als Behandlung. Die Verwendung eines hochwertigen Futters (d.h. ohne großen Getreideanteil, sondern mit einer guten Eiweißquelle und angemessenem Kaloriengehalt) kann helfen, Übergewicht zu verhindern. Regelmäßige Bewegung (20 – 40 Minuten pro Tag sind für Hunde das Minimum) ist ebenfalls von großer Bedeutung. Und füttern Sie Ihrem Tier kein Menschenessen, und wenn es Sie noch so traurig anschaut! Glücklicherweise ist die Prognose mit entsprechender Behandlung gut, und die meisten Tiere haben eine normaler Lebenserwartung. Bei Katzen mit Diabetes kann es sogar zu Verbesserung der Situation kommen (obwohl später Rückfälle möglich sind), während es sich bei Hunden um einen Dauerzustand handelt. Der schwierigste Teil ist die anfängliche Diagnose und dann das Finden der korrekten Dosis Insulin. Wenn Sie das geschafft haben, ist die Langzeitbehandlung relativ unkompliziert.