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Ratgeber zur Pferdezucht

Ratgeber zur Pferdezucht

Die Aussicht ein Fohlen zu haben, dass ähnlich gute Eigenschaften hat wie die Mutter oder sogar besser, ist für Züchter eine große Verlockung und der Hauptgrund, warum sie die Stute trächtig werden lassen.

Bevor jedoch gezüchtet wird, sollten sich unerfahrene Züchter unbedingt über Paarungsverhalten und Abfohlen von Stuten informieren und darüber, wie sich ein neugeborenes Fohlen entwickeln und verhalten soll. Deshalb ist es für Anfänger am besten eine Züchtung in Zusammenarbeit durchzuführen.

Kosten

Die Züchtung von Pferden ist eine extrem teure Angelegenheit. Die Gebühr für den Hengst beträgt mindestens 600 Euro, hinzukommt die Verpflegung des Hengstes und Tierarztrechnungen von zirka 1200 bis 2500 Euro und weitere 600 Euro, wenn sie die Stute vom Hengst decken lassen. Diese Kalkulation berücksichtigt jedoch keine Komplikationen während der Trächtigkeit oder der Geburt.

Die Auswahl von Stute und Hengst

Bei der Züchtung müssen viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Als erstes muss die Stute ausgewählt werden. Falls diese schwere Mängel oder Krankheiten aufweist, ist es nicht empfehlenswert sie zu decken, da Störungen an das Fohlen weitergegeben werden können oder Komplikationen während der Trächtigkeit auftreten können. Auch der Stammbaum der Stute ist wichtig. Durch einen guten Stammbaum ist es leichter, das Fohlen zu einem guten Preis zu verkaufen. Das Fohlen wird höchstwahrscheinlich das Temperament seiner Eltern erben. Deshalb ist eine Stute mit einem schwierigen Charakter nicht zur Züchtung geeignet. Schlussendlich bedenken Sie, wofür Sie das Fohlen einsetzen wollen, wenn es erwachsen ist. Falls Sie es für Turnierreiten verwenden wollen, ist Wettkampferfahrung bei den Eltern erforderlich.

 

Bevor die Stute zum ersten mal gedeckt wird, muss sie vom Tierarzt untersucht werden. Zudem müssen sie für die Stute eine Bestätigung erbringen, dass sie gegen Tetanus und Grippe geimpft ist. Außerdem muss die Stute frei von Infektionskrankheiten wie Pferdeherpes, viraler Arterienentzündung und ansteckender Gebärmutterentzündung sein. Es wird auch nötig sein, die hinteren Hufbeschläge für die Deckung zu entfernen.

Als nächstes wird der Deckhengst ausgewählt. Es gibt Hunderte von Hengsten zur Auswahl und Sie finden eine Menge Informationen im Internet zu den verschiedenen Gestüten. Sie sollten den Leistungsnachweis des Hengstes, seine Ausbildung und die Geschäftsbedingungen des Gestüts prüfen. In den Gebühren bei den meisten Gestüten ist eine Fohlengarantie enthalten.

Im Gestüt

Die sicherste und beliebteste Option ist die Deckung im Gestüt, da Experten vor Ort sind, um bei etwaigen Problemen einzugreifen. Das kann jedoch Stress für die Stute sein, auch wenn sie bereits gedeckt wurde.

Vorher muss die Stute gründlich vom Tierarzt untersucht werden. Wenn die Stute rossig wird, nimmt der Tierarzt einen Gebärmutterhals-Abstrich und untersucht sie auf Infektionen, die mit Antibiotika behandelt werden können. Dann kann geprüft werden, ob die Stute bereit ist, gedeckt zu werden. Dafür wird ihr Verhalten dem Deckhengst gegenüber beobachtet. Wenn sie sich in die Paarungsposition begibt (erhobener Schweif), ist sie bereit, gedeckt zu werden. Falls die Stute noch nicht bereit ist, wird der Vorgang täglich wiederholt, bis sie soweit ist.

 

Der nächste Schritt ist die eigentliche Deckung. Das kann auf natürliche Weise oder durch künstliche Besamung geschehen. Manche Stuten müssen zwei Mal gedeckt werden, damit sie trächtig werden. Wenn die Stute nicht mehr rossig ist, wird nach 16 Tagen überprüft, ob sie trächtig ist. Wenn der Test positiv ist, können Sie die Stute mit nach Hause nehmen. Sie können die Stute jedoch auch bis zur Untersuchung nach 28 Tagen am Gestüt lassen. Diese Untersuchung wird Ihnen absolute Gewissheit über den Erfolg der Deckung geben. Außerdem wird die Stute zu einem weniger kritischen Zeitpunkt in ihrer Trächtigkeit transportiert werden. Eine zweite Deckung kommt nur in Frage, wenn die Stute wieder rossig wird oder sie nach der ersten Untersuchung noch nicht trächtig ist.

Die Auswahl von gefrorenem oder gekühltem Samen bietet weitere Optionen: Eine Deckung zu Hause, beim Gestüt oder einem Besamungszentrum. Beide Methoden verwenden künstliche Besamung durch gefrorene oder gekühlte Samen vom Deckhengst Ihrer Wahl. Der Samen wird vom Hengst durch die Verwendung einer künstlichen Vagina gewonnen. Anschließend wird der Samen im Labor untersucht und wenn er alle Richtilinien erfüllt, wird die Stute gleich damit befruchtet oder auf 4 Grad Celsius gekühlt und an den Besitzer der Stute oder ein Besamungszentrum geschickt. Der Samen kann auch bei  -196 Grad Celsius gefroren werden und bis zur gewünschten Verwendung gelagert werden.

Die Belastung der Stute

Die Stute kann geritten werden, jedoch sollte die Anstrengung reduziert werden (kein Springen und Galopp). Der Schwerpunkt der Stute verlagert sich nach hinten und der Körper wird generell während der Trächtigkeit stärker belastet. Die Gelenke, Bänder und Sehnen werden sehr stark belastet. Dadurch steigt das Verletzungsrisiko während fortschreitender Trächtigkeit. In der letzten Woche vor der Geburt entspannt sich die Beckenmuskulatur als Geburtsvorbereitung. Während dieser Zeit ist sie extrem anfällig für Verletzungen und darf nicht geritten werden.

Nach der Geburt kann leichte Aktivität wieder aufgenommen werden und Stute sowie Fohlen können so lange wie möglich auf der Koppel sein, wenn das Wetter geeignet ist. Jedoch nur wenn beide gesund sind. Viele Stuten verlieren schnell an Gewicht durch Säugen des Fohlens, wenn sie nicht genug Futter bekommen. 

Fütterung

Vermeiden Sie es, die Stute mehr zu füttern, sobald sie trächtig wird. Zuchtstuten benötigen nur wenig extra Futter bis drei Monate vor der Geburt. Wenn eine Stute zuviel Gewicht zulegt, kann sie leicht Hufrehe (Laminitis) bekommen. Es gibt spezielle Kraftfuttermittel, die an Stute und Fohlen gegeben werden können. Bis zur Entwöhnung von der Stutenmilch kann das Fohlen dieses Futter bekommen.

Eine Reduktion von Kraftfutter bei übergewichtigen Stuten kann einen Vitamin- oder Mineralmangel bei Stute und Fohlen verursachen und kann nur durch Beifügung von geeigneten Zusätzen vorgebeugt werden. In den meisten Fällen ist Kraftfutter am besten für das Fohlen geeignet, bevor es entwöhnt wird.